APC trauert um Ute Bock

Die lange Liste an Preisen, die Ute Bock in den letzten siebzehn Jahren für ihr außerordentliches Engagement für eine menschliche Flüchtlingspolitik und eine respektable Willkommenskultur auszeichnen, vermittelt nicht annähernd, welche Leistung die ehemals kleine Lehrerin aus Wien an vertriebenen, geflüchteten, gestrandeten und abgewiesenen Menschen in Österreich vollbracht hat! Sie hat Tausenden eine Zuflucht, ein Zuhause und menschliche Wärme gegeben; den österreichischen Bundesregierungen hingegen sowie den xenophoben Teilen der Bevölkerung hat sie unbeirrt und ausdauernd den Spiegel vorgehalten, der sie so hartherzig und fremdenfeindlich zeigt, wie sie es tatsächlich sind. Die österreichische Asylpolitik hat in den letzten 20 Jahren versagt, Migration und Flucht als menschliches Schicksal und gesellschaftliches Dauerthema würdig zu managen.

Mit Alpine Peace Crossing war Ute Bock seit unserer Gründung im Jahr 2007 eng verbunden, als Ehrenmitglied und als Teilnehmerin am Krimmler Friedensdialog. Als wir am 17. Oktober 2017 den Hain der Flucht im Krimmler Achental feierlich in einer inter-religiösen Zeremonie einweihten, wurde der „Friedensstein Windbachfall“ auch ihr zu Ehren installiert.

Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits im Rollstuhl, sie hat uns aber folgendes „Testimonial“ geschickt, das wir hiermit gerne mit allen teilen, weil es so authentisch ist für Ute Bock:

Vielen, vielen Dank für die Auszeichnung. Ich fühle mich sehr geehrt. Ich hatte immer gehofft, dass ich einmal überflüssig werde. Aber leider haben viele Menschen hier in Österreich noch nicht verstanden, dass Flüchtlinge in erster Linie Menschen sind, Menschen, die vor Hunger und Mord fliehen. Sie brauchen unsere Hilfe. Da kann man nicht einfach wegschauen und sagen, die sollen zurück von wo sie her sind. So funktioniert das nicht. Gott sei Dank gibt es auch viele gute Menschen, die auch so denken und meine Arbeit unterstützen. Seit ein paar Wochen haben wir viele neue Freiwillige,  die mit unseren Flüchtlingskindern lernen, damit sie in der Schule mitkommen. Es sind brave und fleißige Kinder, die ihre Hausaufgaben bei uns machen und Lesen üben. Ich freue mich sehr, dass heute im Kimmler Achental Menschen sind, die bereit sind Menschen in Not zu helfen, egal welche Hautfarbe ein Mensch hat oder woher er herkommt.“

Gemeinsam mit 15 führenden NGOs hat APC 2013 die Petition „Gegen Unmenschlichkeit“ initiiert, mit 5 Forderungen an Bundesregierung und Parlament. Der Verein „Flüchtlingsprojekt Ute Bock“ war eine dieser NGOs und Ute Bock hat unseren Aufruf für eine menschliche Flüchtlingspolitik mit diesem persönlichen Zitat unterstützt:

Die grundsätzliche Einstellung Flüchtlingen gegenüber müsste sich ändern. Es hat sich ja keiner ausgesucht, wo er geboren wird. Es ist ein Zufall, dass wir hier sind und die anderen dort. Ich bin Erzieherin und nicht Polizist oder Richter. Meine Aufgabe ist es, jungen Menschen zu einer Ausbildung oder einer Arbeit zu verhelfen und sie zu unterstützen, ein einigermaßen lebenswertes Leben führen zu können. Für mich müsste jeder Mensch dieselben Möglichkeiten und Chancen haben. Ich glaube nicht, dass es klug ist, eine Gruppe von Unzufriedenen oder Benachteiligten zu schaffen. Selbst wenn es einmal so sein sollte, dass diese Menschen in ihre Heimat zurückkehren können, ist es besser, sie haben hier etwas gelernt, sind gut behandelt worden und können das hier Erfahrene in ihre Heimatländer mitnehmen, als sie sind Unzufriedene, die das Gefühl haben, zu kurz gekommen zu sein, sind Alkoholiker, Drogenabhängige und Kriminelle.“

Dieses Foto zeigt sie im April 2013 im Kreis des Petitions-Teams während der Vorbereitungsarbeiten zur ersten Pressekonferenz am 7. Juni 2013.

Ein Personenkomitee von 300 Persönlichkeiten hat unsere Online-Petition unterstützt, die von 31.361 Menschen namentlich unterzeichnet wurde. NR-Präsidentin Barbara Prammer hat verfügt, dass die detaillierte Buch-Dokumentation der Petition allen Abgeordneten des Nationalrates und des Bundesrates überreicht werden soll. In der Folge wurde die Petition vom Parlament „schubladisiert“ und obwohl unsere Forderung, dass Asylsuchende (so wie in Deutschland) nach 6 Monaten einen effektiven Zugang zum Arbeitsmarkt bekommen sollen, vom WIFO in einem Gutachten unterstützt wurde, war und ist es unseren Bundesregierungen richtiger erschienen, Asylsuchende (jahrelang) herumsitzen zu lassen und oftmals in die Depression zu treiben. Bestens integrierte Lehrlinge, auch wenn sie in Mangelberufen tätig sind, für die in Österreich dringender Bedarf besteht, werden abgeschoben.

Am 19.Jänner ist Ute Bock verstorben. Alpine Peace Crossing trauert um eine Weggefährtin der APC-Friedenswanderung und Mitstreiterin im Appell Gegen Unmenschlichkeit. Unsere 5 Forderungen sind aktueller denn je, wir werden uns in ihrem Geiste weiter dafür einsetzen, dass Menschlichkeit kein „Fremdwort“ wird. Sie fehlt uns als Gleichgesinnte und Freundin. Als Mahnerin und Vorbild für Empathie und Solidarität ist sie aus unserer Mitte nicht wegzudenken.

Dr. Ernst Löschner
Vorsitzender des Vorstands