Details zum Bericht vom 3. APC 2009

APC 2009 hatte als größten Höhepunkt die posthume Ehrung der Krimmler Tauernhauswirtin Liesl Geisler. Gleichzeitig wurde das Grundgedanke von APC als Friedensprojekt durch die Teilnahme von 25 Flüchtlingen und Asylwerbern aus 16 Nationen eindrucksvoll unterstrichen. Sie waren der Kern der 134 Teilnehmer an der APC-Friedenswanderung über den Krimmler Tauern am nächsten Tag.
Begonnen hatte unser dreijähriges Programm bereits am Nachmittag des 3. Juli: es waren afrikanische Trommel-Klänge, die in Krimml zu hören waren. Eine Gruppe von 4 Asylwerbern aus Senegal, angeführt von Ibou Nga Ba, hatte zu einem Trommel- Workshop geladen und dieser wurde von Krimmler Kindern und Jugendlichen begeistert aufgenommen.
Um 18 Uhr konnte dann Bgm. Erich Czerny zum „Krimmler Friedensdialog“, wie in den Vorjahren im Festsaal des Gasthofes „Zur Post“, eine große Zahl von Ehrengästen begrüßen, vor allem den israelischen Botschafter in Österreich, Dan Ashbel, mit Gattin Zehava, die Großfamilie Geisler und den Landeshauptmann- Stv. David Brenner. Ein besonderer Willkommensgruß erging auch an die Flüchtlings-helferin und neues APC-Ehrenmitglied Ute Bock, unsere APC Friedensbeirat-Mitglieder Irmela Steinert und Regine Kappeler, die mit den 25 Flüchtlingen/ Asylwerbern gekommen waren, sowie an unser 96 – jähriges APC-Ehrenmitglied Marko Feingold mit Gattin Hanna. Aus Israel und USA wurden auch Uzi und Gal Talit begrüßt, stellvertretend für ihre Eltern Moshe und Bilha Talit, deren „Testimorial“ als Zeitzeugen im Jahr 2007 noch allen in starker Erinnerung ist. Aster Karbaum und Annette Manger-Scheller waren schon zum 3. Mal aus Hamburg zu APC angereist, mit ihnen Petra Kronberger, die Erich Czerny als neues APC-Ehrenmitglied, ebenso wie die Gründerin von vinziRast, Cecily Corti- besonders begrüßte.
Nach ihnen ergriff LH Brunner das Wort, mit einem eindrucksvollen, sehr persönlichen Bekenntnis zu Menschen in Not. Er verwies auf den jüngsten UNHCR-Bericht über die Not von 42 Millionen Menschen auf der Flucht, von diesen 26 Millionen im eigenen Land. Er fand auch sehr schöne anerkennende Worte für all jene, die die Initiative für Alpine Peace Crossing ergriffen hatten und nunmehr den APC-Friedensgedanken einer stetig wachsenden Zahl von engagierten Menschen im In- und Ausland näher bringen.
Botschafter Ashbel erinnerte daran, wie sehr Israel darauf angewiesen war, aus eigener Kraft eine Nation zu formen, der es bis heute nicht vergönnt ist, in Frieden zu leben. Auch die Fluchthilfeorganisation Bricha war nach dem Ende des 2. Weltkrieges auf sich alleine angewiesen. Umso mehr ist das Wirken von Liesl Geisler als „Mutter der Flüchtlinge“ zu würdigen. Die damaligen Leiter der Bricha in Österreich bzw. Salzburg, Asher Ben Natan und Aba Gefen waren es, die der „Jewish Agency for Israel“- sie war seit 1929 als Wegbereiter zur späteren Staatsgründungs Israels im Jahr 1948 aktiv – vorgeschlagen hatten, Liesl Geisler zu ehren. Eine derartige Ehrung wird nur sehr selten vergeben, aber Liesl Geisler war und ist ein leuchtendes Beispiel für Menschlichkeit. Gemeinsam mit Omar Hakim, dem Vertreter der “Jewish Agency“ überreichte Dan Ashbel die Ehrenurkunde an die Familie Geisler mit den Worten: „Alle diejenigen, die sich mit Hilfe für ihre Gemeinde beschäftigen, werden von Gott gesegnet“.
Friedl Geisler, der Enkel von Liesl Geisler-Scharfetter und nunmehriger Hüttenwirt des Krimmler Tauernhauses, ließ uns alle in seinen Dankesworten an der Wärme teilhaben, die seine Großmutter ausgestrahlt hatte. Trotz eigener tragischer Schicksalsschläge (sie musste den Unfalltod ihres Mannes überwidmen, der ihren 1. Sohn adoptiert hatte) war sie stets hilfsbereit und liebevoll für alle da.
Botschafter Ashbel – er wird im Herbst nach Israel zurückkehren – hat durch sein Engagement viele Freunde in Österreich gewonnen. Ernst Löschner dankte ihm für seine Verbundenheit zu APC und erinnerte daran, dass es ohne ihn niemals möglich gewesen wäre, so viele Zeitzeugen in Israel zu finden und zu APC 2007 einzuladen.
Der im Jahr 2007 angekündigte – und durch das Wirken von Liesl Geisler inspirierte – Preis für Menschlichkeit der Salzburger Landesregierung wird übrigens im Jahr 2010 verwirklicht. Chrumbas-Mitglied Petra Lemberger verlas dazu eine Grußbotschaft von LR Doraja Eberle.
Der nächste Programmpunkt war gleichzeitig Überleitung zur aktuellen Flüchtlingssituation: mit seinem Gedicht „Mama Afrika“ ließ uns der Asylwerber David Jarhu aus Gambia – mit zitternden Händen und doch mit starker Stimme – nachempfinden was es heißt, bei „Tante Österreich“ zu sein.
Der Abschluss des „Krimmler Friedensdialoges“ wurde vom österreichischen Schriftsteller Martin Auer würdevoll gestaltet. Er skizzierte anhand einiger Erzählungen was es heißt, ein „Fremder“ zu sein. „Wie kommt der Krieg in die Welt?“ war seine Eingangsfrage, der er mit einem eindrucksvollen Publikumsspiel zu den Themen Schnäppchenjagd und Habgier nachging.
Besonders zu erwähnen ist auch die musikalische (und künstlerische) Umrahmung des Krimmler Friedensdialoges: Hmayak Margaryan (Flöte) und Gurgen Simonyan (Klarinette), Asylwerber aus Armenien, erfreuten uns mit einem volkloristischen Duett aus ihrer Heimat sowie mit einem schönen Arrangement nach Mozart’s Zauberflöte. Die Trommelgruppe von Ibou Nga Ba mit Aliou Djoue und Fode Sy hatte zu Beginn des Programms bereits beeindruckt; stimmlich und tanzend kam dann eine lebensbejahende, strahlende Überraschung dazu, als die Gruppe um den ausdrucksstarken Tänzer Dioutala Seydi, ebenfalls aus Senegal, erweitert wurde.
Der nächste Tag brachte dann mit der 3. Gedächtnisüberquerung einen spirituellen Höhepunkt in wunderbarer Natur. Dieses Jahr hatten wir großes Wetterglück, und so war auch die Stimmung bei allen 134 gezählten Teilnehmern an der „APC-Friedenswanderung“ ganz ausgezeichnet. Marko und Hanna Feingold hatten es sich nicht nehmen lassen, zum Krimmler Tauernhaus zu kommen, ebenso wie Botschafter Dan Ashbel und Gattin, die uns dann bis zur Windbachalm begleiteten. Dort kam es wiederum zu eindrucksvollen Schilderungen – von afghanischen und tschetschenischen Asylwerbern – was es heißt, Flüchtling zu sein. Gleichzeitig vermittelten sie ein Gefühl von Wärme und Dankbarkeit all jenen gegenüber, die – wie Irmela Steinert oder Regine Kappeler – sich um ihr Schicksal kümmerten.
Wie „ausgrenzend“ sich die österreichische Asylpolitik manifestiert, können wir auch am Beispiel von Oleksandr (Alex) Lebedenko erkennen, der wiederum bei APC 2009 unter uns war (wie bereits bei APC 2008). Er war mit seiner Familie als Jugendlicher vor 7 (!) Jahren aus der Ukraine nach Österreich geflüchtet, ist bestens integriert und steht unmittelbar vor dem Abschluss seines WU-Studiums. Soeben wurden wir informiert, dass sein Asylansuchen in dritter und letzter Instanz negativ beschieden wurde. Viele von uns sind nun bemüht, durch persönliche Stellungsnahmen und Empfehlungen ein Bleiberecht für ihn und seine Familie zu erreichen. Ob dies gelingt, darüber werden wir in den Aktuellen Meldungen auf unserer Homepage berichten.
Auf dem Weg zur Passhöhe mussten dieses Jahr mehrere Schneefelder überquert wurden. Hans Lerch und seine Ranger vom Nationalpark Hohe Tauern Salzburg waren hier umsichtige Helfer, wie dies auch von Franz Brinek von den Pinzgauer Nachrichten in seinem ausführlichen Artikel vom 9. Juli berichtet wurde. (Ein weiterer Bericht von ihm erschien auch in den Mittersiller Nachrichten vom 18. Juli. Auch in slowenischer Sprache erschien ein Artikel, verfasst von Maria Skof: sie berichtete auf der Titelseite der Zeitung „Nedelja“, die von der Diözese Gurk/Klagenfurt seit 1926 herausgegeben wird, von APC 2009.) Auf der Passhöhe hieß es dann Abschied nehmen vor den 25 Flüchtlingen und Asylwerbern, die den Rückmarsch zum Krimmler Tauernhaus antreten mussten. Ihnen war es leider aufgrund der Rechtslage nicht möglich, legal nach Italien zu gelangen (so wie den jüdischen Flüchtlinge damals im Jahr 1947).
Zuvor wurde noch, stellvertretend für alle Teilnehmer aus dem Ahrntal, der Südtiroler Künstler Alois Steger begrüßt. Er erzählte uns vom Projekt „Übergehen“ mit seinen Kunstinstallationen, das er 1997 zum 50-jährigen Gedanken an die Judenflucht installiert hatte.
Der 3,5 stündige Abstieg ins Ahrntal war wiederum ein landschaftlich herrliches Erlebnis. Allerdings musste Christian Lerch, der Sohn vom Hans Lerch, als Notarzt einem jüngeren Teilnehmer nach einem Schwächeanfall auf die Beine helfen.
Der Bürgermeister der Gemeinde Prettau, Alois Brugger, hatte bei unserer Ankunft in Kasern zu einem großartigen Südtiroler Buffet geladen und kaum eine(r)sich auch den Edelvernatsch entgehen. In seiner Begrüßungsrede gab Bgm. Brugger einen interessanten Überblick über die Geschichte der Krimmler Tauern von der Römerzeit bis in die Gegenwart. Für die meisten der Teilnehmer war dann die Bus-Rückfahrt nach Krimml der Abschluss von APC 2009. Wiederum hatten Andrea Mair und Petra Lemberger vom TVB Krimml alles hervorragend organisiert.
33 Bergwanderer (unter ihnen auch der 9-jährige Markus Plankensteiner als weitaus jüngster Teilnehmer) ließen es sich allerdings nicht nehmen, in Kasern zu übernachten, und mit Hans Lerch und Ernst Löschner am nächsten Tag den Rückweg nach Krimml über die Birnlücke anzutreten. Blauer Himmel, eine strahlend weiße Dreiherrenspitze, das leuchtende Rot der Berghänge mit „Almrausch“: alles hat gepasst. Und bei der letzten Rast kam es zu einer spontanen Einlage: Oberleutnant Josef (Peppi) Böck von der Gruppe „Polizei und Afrikaner – Fair and Sensibel“ lud zu einer Meditation ein, und seine 5 Begleiter (Robert und Csabas mit den Asylwerbern Emmanuel, Annette und Miracle aus Afrika) stimmten selbst-komponierte Lieder an zu den Themen Ausgrenzung und Versöhnung. Ebenso spontan erklangen dann Lieder unserer APC-Freunde aus Kärnten in slowenischer Sprache, die in dieser wunderbaren Landschaft nicht schöner hätten klingen können.
APC 2009 ist also auch bereits Geschichte. Dass diese lebendig bleibt, ist vor allem der professionellen Fotogalerie von Ulrich Eigner (www. ulricheigner.com) zu verdanken. Er beeindruckte übrigens auch mit seinen alpinistischen Fähigkeiten: passend zum Meditationsthema „Loslassen“ hatte sich nämlich der Rucksack von Peppi Böck verselbständigt und konnte erst nach 150 m in einer steilen Schlucht – völlig durchnässt, aber intakt – von Uli geborgen werden.
Ernst Löschner