Momente des Stolperns: Bericht zur Studienfahrt Juli 2025

Im Juli 2025 haben wir erstmalig, ein Team aus APC und Gedenkdienst, eine antifaschistische Studienfahrt zur Erinnerungskultur in Stadt und Land Salzburg veranstaltet. Studierende aus verschiedensten österreichischen Städten begleiteten uns durch ein spannendes Programm mit vielen anregenden Diskussionen. Besonders freuen wir uns über die Kooperation mit dem Verein Gedenkdienst. Ein Bericht von Johanna Maringer.

 

Moment des Stolperns im Schloss Goldegg

Wer das Schloss Goldegg betritt, kommt nicht an einigen Stolpersteinen vorbei. Sie stehen für fünf Frauen, die Unterstützungswiderstand für Goldegger Deserteure geleistet haben. Auf die Frage, wieso sie ausgerechnet im Schloss verlegt wurden – da kein konkreter Bezug der Opfer zum Ort besteht – meinte unser Guide Esche Schörghofer, dass er persönlich die Lage gut fände: So sind sie sichtbar für Besucher*innen, die hier überrascht innehalten. Wie an die Geschichte der Deserteure und ihre Helfer*innen erinnert wird, ist noch heute kontrovers. Zwei Beispiele zeigen uns, wie aktuell die Debatte um die Anerkennung der Deserteure als Opfer des Nationalsozialismus ist: Das Deserteursdenkmal, das 2018 mit grünem Lack übersprüht wurde, und die Ortschronik, die die Goldegger Deserteure 2009 im Sinne einer Täter-Opfer-Umkehr als „Plage“ bezeichnete und selbst 2022 noch überholte Narrative aufwärmte (und nach öffentlichem Druck nun überarbeitet wird).

 

Momente des Stolperns in der Stadt Salzburg

Über Neues gestolpert sind wir auch in der Stadt Salzburg: Bei einem antifaschistischen Stadtspaziergang, einem Rundgang durch die Wanderausstellung „Polizei im NS-Staat“, einem Input zur Errichtung der DP-Gedenkpyramide im Preuschenpark, bei einem Gespräch mit Prof. Helga Embacher über Gedenkkultur sowie einem Workshop der Dokumentation Obersalzberg über den Umgang mit der NS-Vergangenheit von Schloss Kleßheim. Besonders ins Gedächtnis eingebrannt hat sich uns der Film “Jenseits des Krieges” von Ruth Beckermann über die Wehrmachtsausstellung in Wien 1996. Das Schweigen, das in dieser Dokumentation so präsent ist, begleitet uns bis heute – bis nach Goldegg, nach Salzburg, nach Kleßheim und in unsere Familien. Und die Frage stellte sich, für wen – und wie – wir überhaupt Gedenkkultur gestalten möchten: Für unsere persönliche Verantwortung der Vergangenheit gegenüber? Für Österreich? Für die Opfer? Für die zukünftigen Generationen?

Vielleicht sind mehr Fragen offen geblieben als beantwortet worden. Sie werden uns jedenfalls noch in Zukunft begleiten – als Generation, die zukünftig die Gedenkkultur in Österreich und Deutschland aktiv mitgestalten möchte.

Wir bedanken uns herzlich beim Verein Gedenkdienst, Helga Embacher, Sebastian Sillinger, Esche Schörghofer und dem Verein Goldegger Widerstand sowie bei allen Teilnehmenden!

 

Johanna Maringer

 

Wir bedanken uns auch herzlich bei unseren Fördergebern: Der Stadt Salzburg, Dem Zukunftsfonds, dem Nationalfonds, der ÖH Salzburg sowie der Bundesvertretung der ÖH. Dankeschön!