(The english version can be found below.)
Das 19. Alpine Peace Crossing (APC) fand am 28./29. Juni 2025 im Salzburger Krimml statt. Vor der atemberaubenden Alpenkulisse und historischen Fluchtroute versammelten sich rund 200 Interessierte, Wanderer:innen und Antifaschist:innen. Wie jedes Jahr beschäftigten wir uns mit der historischen Flucht jüdischer Überlebender 1947 und benachbarten Themenfeldern. Der Schwerpunkt diesen Jahres lag unter dem Titel “Verleugnet – Verschwiegen – Vergessen” auf ungehörten NS-Opfern und ihrem schwierigen Kampf um Anerkennung seit 1945.
Dieses Jahr war unser Weg von zwei traurigen Ereignissen überschattet: dem schmerzlichen Verlust unseres geschätzten Vereinsgründers Ernst Löschner und der schmerzlichen Abwesenheit unserer israelischen Freund:innen, die aufgrund der anhaltenden Konflikte nicht bei uns sein konnten. Ihre Abwesenheit und die anhaltenden Kriege mahnen uns alle, weiter für eine bessere Welt zu kämpfen.

Samstag, 28. Juni 2025
Das Dialogforum begann dieses Jahr mit einer Gedenkfeier für Ernst Löschner. Ernst hat nicht nur in seinem beruflichen und privaten Leben viel hinterlassen, sondern hat mit APC auch eine nachhaltige Initiative gegründet, die sich für eine bessere Welt und gegen das Vergessen einsetzt. Sein Wirken soll uns allen Vorbild sein, Frieden nicht als selbstverständlich zu betrachten. In seiner Ehren sprachen einige Wegbegleiter:innen: neben Antonia Winsauer aus dem aktuellen Vorstandsteam (ihren Nachruf finden Sie hier), sprachen auch der Krimmler Bürgermeister Erich Czerny, die ehemaligen APC-Vorstandsmitglieder Judith Forthuber und Hans Nerbl. Leah Litani und Manfred Schwab haben die Feier mit Videoaufnahmen und Fotos bereichert. Ernst Tochter, Lisa Gschossmann, erzählte liebevoll von ihrem leider viel zu früh verstorbenen Vater.
Das traditionelle Dialogforum am Samstag bot auch in diesem Jahr eine Plattform für kritische Reflexion und lebendige Diskussionen, professionell moderiert von unseren APC-Teammitgliedern Robert Obermair und Antonia Winsauer.
Elke Rajal beleuchtete in ihrem Vortrag die nationalsozialistische Verfolgungskategorie “Asozialität“ und legte offen, wie Menschen aufgrund von willkürlichen Kategorisierungen verfolgt und ausgegrenzt wurden. Besonders eindrücklich ist auch der lange und teilweise immer noch währende Kampf dieser Opfer des Nationalsozialismus um Anerkennung und Entschädigung.
Andreas Brunners Vortrag widmete sich der Verfolgung Homosexueller im Nationalsozialismus. Brunner skizzierte die Verfolgungs- und (fehlende) Aufarbeitungsgeschichte. Er zeigte auf, wie wichtig die Aufarbeitung spezifischer Opfergruppen ist, um ein umfassendes Bild der Vergangenheit zu erhalten und Lehren für die Gegenwart zu ziehen.
Die Beiträge unserer Vortragenden erinnern uns daran, wie wichtig es ist, vermeintliche Normalitäten zu hinterfragen und die Geschichten derer zu hören, die an den Rand gedrängt wurden.

Die musikalische Begleitung des Dialogforums durch das Duo Nizh war hervorragend. Das international erfolgreiche Duo Nizh sammelt, erforscht und performt sogenannte “Holocaust-Musik”, also Musik, die Bezüge zum Holocaust aufweist. Mit ihren Anstrengungen ist es ihnen gelungen, vergessener Musik ihren rechtmäßigen Platz in der Geschichte zu geben.
Den Höhepunkt des Forums bildete eine abschließende Podiumsdiskussion, an der Elke Rajal, Andreas Brunner sowie Bobby Rootveld und Sanna van Elst vom Duo Nizh teilnahmen. Im Zentrum stand die drängende Frage der Anerkennung verschiedener Opfergruppen und die Notwendigkeit einer „Erinnerungskultur von unten“. Es wurde intensiv darüber diskutiert, wie historische Narrative erweitert werden können, um die Vielfalt menschlicher Erfahrungen und Leidenserfahrungen zu berücksichtigen und wie die Erinnerungsarbeit nicht nur von Institutionen, sondern gerade von zivilgesellschaftlichen Initiativen getragen werden muss.
Beim anschließenden Empfang mit Brötchen und Getränken konnte die Veranstaltung noch nach- und der morgige Tag vorbesprochen werden. Wir bedanken uns für die Organisation und kulinarische Versorgung, insbesondere bei Petra Czerny und den zahlreichen jungen helfenden Händen!
Sonntag, 29. Juni

Der Sonntag stand ganz im Zeichen der Gedenkwanderung, die uns auf den historischen Fluchtweg von 1947 führte. Wie jedes Jahr versammelten sich in aller Frühe rund 200 Wanderer:innen vor dem Krimmler Tauernhaus, wo sie traditionell vom Hüttenwirt Friedl Geisler begrüßt wurden.
Am ersten Stopp der Wanderung stand in diesem Jahr die Lebensgeschichte der Familie Feldman im Mittelpunkt der Erzählungen, die ebenfalls über die Alpen fliehen mussten. Leider konnte Sharoni Feldman aufgrund des Krieges in Israel nicht persönlich die Geschichte erzählen, deswegen ergriff Cassandra Burgstaller vom APC-Team stellvertretend das Mikrofon.
Der Weg führte weiter das Achental entlang, zum nächsten Stopp: der Windbachalm. Dort skizzierten unsere Teammitglieder Eva Bammer und Jakob Gruber den historischen Kontext der Wanderung und schilderten die beschwerlichen Umstände der Flucht von 1947 und der Nachkriegssituation.
Ein besonders emotionaler Moment der Wanderung war das gemeinsame Gedenken an Ernst Löschner. Seine Vision und sein unermüdliches Engagement haben das Alpine Peace Crossing erst möglich gemacht. Sein Geist und sein Vermächtnis waren auf jedem Schritt des Weges präsent, und wir fühlten uns ihm in unserer gemeinsamen Mission verbunden.

Einen weiteren bereichernden Beitrag lieferte der US-amerikanische Historiker Peter Cole, der von seiner eindringlichen Arbeit zu den „Chicago Race Riots“ berichtete. Seine Ausführungen stellten eine wichtige Verbindung zu globalen Fragen von Rassismus und Gewalt her und boten Möglichkeiten für transnationale Austausch- und Resonanzräume.
Nach der eindrucksvollen Wanderung wurden wir in Kasern mit einem fürstlichen Buffet empfangen. Dieser gesellige Abschluss bot Gelegenheit zum Austausch, zur Stärkung und zur Verinnerlichung der Eindrücke des Wochenendes.
Dank an alle Unterstützer:innen und Helfer:innen!
Unser tiefster Dank gilt all jenen, die das Alpine Peace Crossing 2025 erst ermöglicht haben. Ohne ihr Engagement und ihre Unterstützung wäre diese wichtige Veranstaltung nicht realisierbar:
- Der Gemeinde Krimml für die langjährige und wertschätzende Unterstützung, allen voran Erich Czerny, Andrea Mair und Silvia Nothdurfter.
- Den Gemeinden Prettau und Ahrntal für ihre Gastfreundschaft und Kooperation, vertreten durch die Bürgermeister Robert Steger und Markus Gartner.
- Petra Czerny und ihren zahlreichen Helfer:innen.
- Dr. Christian Gruber, unserem „Bergdoktor“.
- Der Krimmler Bergrettung für die langjährige Unterstützung.
- Der Nationalpark Hohe Tauern für die Unterstützung und das Verständnis für unsere Anliegen.
- Dem Duo NIZH für die bewegende musikalische Begleitung.
- Andreas Brunner und Elke Rajal für ihre inspirierenden Vorträge.
- Und vor allem allen „Helping Hands“, den zahlreichen Freiwilligen, die mit ihrem unermüdlichen Einsatz vor, während und nach der Veranstaltung alles erst möglich gemacht haben. Euer Engagement ist das Herzstück des Alpine Peace Crossing!

Die Gedenkveranstaltungen 2025 waren trotz des Schatten des Verlusts ein starkes Zeichen des Zusammenhalts, der Erinnerung und des Engagements für eine bessere Welt. Wir blicken mit Dankbarkeit zurück und mit Entschlossenheit nach vorn.
The 19th Alpine Peace Crossing (APC) took place on June 28th/29th, 2025, in Krimml, Salzburg. Against the breathtaking Alpine backdrop and along the historic escape route, around 200 interested individuals, hikers, and anti-fascists gathered. As every year, we focused on the historical flight of Jewish survivors in 1947 and related topics. This year’s theme, titled „Denied – Silenced – Forgotten,“ highlighted unheard Nazi victims and their difficult struggle for recognition since 1945.
This year, our journey was overshadowed by two sad events: the painful loss of our esteemed association founder, Ernst Löschner, and the poignant absence of our Israeli friends, who could not be with us due to the ongoing conflicts. Their absence and the continuing wars remind us all to keep fighting for a better world.
Saturday, June 28, 2025
This year’s Dialogue Forum began with a memorial ceremony for Ernst Löschner. Ernst not only left a significant legacy in his professional and private life but also founded APC as a sustainable initiative dedicated to a better world and against forgetting. His work should serve as an example for all of us not to take peace for granted. In his honor, several companions spoke: in addition to Antonia Winsauer from the current board team (you can find her obituary here), Krimml Mayor Erich Czerny, and former APC board members Judith Forthuber and Hans Nerbl also spoke. Leah Litani and Manfred Schwab enriched the ceremony with video recordings and photos. Ernst’s daughter, Lisa Gschossmann, spoke fondly of her father, who passed away far too soon.
The traditional Dialogue Forum on Saturday once again offered a platform for critical reflection and lively discussions, professionally moderated by our APC team members Robert Obermair and Antonia Winsauer.
Elke Rajal’s lecture illuminated the Nazi persecution category of „asociality,“ revealing how people were persecuted and marginalized due to arbitrary categorizations. Particularly striking is the long and, in some cases, ongoing struggle of these victims of National Socialism for recognition and compensation.
Andreas Brunner’s lecture focused on the persecution of homosexuals under National Socialism. Brunner outlined the history of persecution and the (lacking) process of coming to terms with it. He demonstrated the importance of addressing specific victim groups to gain a comprehensive understanding of the past and draw lessons for the present.
The contributions of our speakers remind us how important it is to question presumed normalities and to listen to the stories of those who were marginalized.
The musical accompaniment of the Dialogue Forum by Duo Nizh was excellent. The internationally successful Duo Nizh collects, researches, and performs so-called „Holocaust music“—music that has references to the Holocaust. Through their efforts, they have succeeded in giving forgotten music its rightful place in history.
The forum culminated in a concluding panel discussion, involving Elke Rajal, Andreas Brunner, as well as Bobby Rootveld and Sanna van Elst from Duo Nizh. At the center of the discussion was the urgent question of recognizing various victim groups and the necessity of a „culture of remembrance from below.“ There was an intensive discussion about how historical narratives can be expanded to include the diversity of human experiences and suffering, and how remembrance work must be carried out not only by institutions but especially by civil society initiatives.
At the subsequent reception with sandwiches and drinks, the event could be reflected upon and the next day discussed. We would like to thank Petra Czerny and the numerous young helping hands for the organization and culinary catering!
Sunday, June 29
Sunday was entirely dedicated to the Memorial Hike, which led us along the historic escape route of 1947. As every year, around 200 hikers gathered early in the morning in front of the Krimmler Tauernhaus, where they were traditionally welcomed by the hut warden Friedl Geisler.
At the first stop of the hike this year, the life story of the Feldman family, who also had to flee over the Alps, was the focus of the narratives. Unfortunately, Sharoni Feldman could not personally tell the story due to the war in Israel, so Cassandra Burgstaller from the APC team spoke on her behalf.
The path continued along the Achental valley to the next stop: the Windbachalm. There, our team members Eva Bammer and Jakob Gruber outlined the historical context of the hike and described the arduous circumstances of the 1947 escape and the post-war situation.
A particularly emotional moment of the hike was the collective remembrance of Ernst Löschner. His vision and tireless commitment made the Alpine Peace Crossing possible in the first place. His spirit and legacy were present every step of the way, and we felt connected to him in our shared mission.
A further enriching contribution came from the American historian Peter Cole, who reported on his compelling work on the „Chicago Race Riots.“ His remarks drew an important connection to global issues of racism and violence and offered opportunities for transnational exchange and resonance.
After the impressive hike, we were welcomed in Kasern with a princely buffet. This social conclusion provided an opportunity for exchange, refreshment, and internalizing the impressions of the weekend.
Thanks to All Supporters and Helping Hands!
Our deepest gratitude goes to all those who made Alpine Peace Crossing 2025 possible. Without their dedication and support, this important event would not have been feasible:
- The Municipality of Krimml for their long-standing and valuable support, especially Erich Czerny, Andrea Mair, and Silvia Nothdurfter.
- The Municipalities of Prettau and Ahrntal for their hospitality and cooperation, represented by Mayors Robert Steger and Markus Gartner.
- Petra Czerny and her numerous helpers.
- Dr. Christian Gruber, our „mountain doctor.“
- The Krimml Mountain Rescue for their long-standing support.
- The Hohe Tauern National Park for their support and understanding of our concerns.
- The Duo NIZH for the moving musical accompaniment.
- Andreas Brunner and Elke Rajal for their inspiring lectures.
- And above all, to all the „Helping Hands,“ the numerous volunteers whose tireless efforts before, during, and after the event made everything possible. Your commitment is the heart of Alpine Peace Crossing!
Despite the shadows of loss, the 2025 memorial events were a strong sign of solidarity, remembrance, and commitment to a better world. We look back with gratitude and forward with determination.