Nachbericht:  Gedenkwanderung 2023

Am 1. und 2. Juli fand wieder unsere alljährliche Gedenkwanderung inklusive Dialogforum im Salzburger Krimml statt.

Visuelle Eindrücke kann man in folgenden Videos von Georg Gangoly bekommen:

Verleihung des APC Friedenspreises 2023

Krimmler Dialogforum 2023

Gedenkwanderung 2023

(c) Georg Gangoly

Vor Beginn der eigentlichen Veranstaltungen besuchten einige Teilnehmer*innen am 30. Juni die Anton-Wallner-Kaserne in Saalfelden, auf den Spuren des historischen DP-Camps Givat Avoda. Von dort aus hatten sich in den Jahren nach Ende des Zweiten Weltkrieges tausende Jüdinnen und Juden auf ihren Weg über die Alpen in Richtung des heutigen Israels gemacht.

 

Samstag 1.7. 2023 Friedenspreisverleihung und Dialogforum

Zu unserer großen Freude durfte unser Verein dieses Jahr sogar drei Friedenspreise in Persona verleihen (zwei aus dem Jahre 2023 sowie einen nachträglich aus dem Jahr 2022). Die Geehrten Miri Nehari, Hanna Weiss sowie Judith Forthuber wurden für ihr herausragendes Engagement rund um die Sammlung und Vermittlung von Wissen rund um den jüdischen Exodus geehrt (Genaueres bitte der Alpendistel zu entnehmen). Für die berührenden Laudatios für die Preisträgerinnen danken wir unserem Ehrenpräsidenten Ernst Löschner.

(c) Georg Gangoly
(c) Georg Gangoly
(c) Resi Lucetti

Eingeleitet wurde die Veranstaltung durch die offizielle Begrüßung des Vereinsvorsitzenden Robert Obermair sowie durch Grußworte vom Krimmler Bürgermeister Erich Czerny und der Kulturreferentin der Israelischen Botschaft in Österreich Maya Karmely Sommer.

(c) Resi Lucetti

Das Dialogforum beschäftigte sich dieses Jahr mit dem Thema Flucht und ihrer Vermittlung. Dieses äußerst komplexe und vielschichtige Thema wurde zunächst von der Direktorin des Jüdischen Museums Wien, Barbara Staudinger, eröffnet. Sie präsentierte ihre spannenden Perspektiven auf gesellschaftliche Rolle(n) und Aufgaben (jüdischer) Museen. Anschließend  las die Schriftstellerin Julya Rabinowich Auszüge aus ihren Romanen “Dazwischen: Ich” und “Dazwischen: Wir”. Die anschließende Podiumsdiskussion wurde durch unser Vorstandsmitglied Jakob Gruber komplettiert, der als Jugendarbeiter einen weiteren Blickwinkel beisteuerte. Diese verschiedenen Zugänge zum Thema Vermittlung von Flucht (literarisch, museal und sozialarbeiterisch) wurden in gewohnt professioneller Manier zusammengeführt und in aktuelle Kontexte eingebettet von unserem Moderator Michael Kerbler, der auch souverän durch die ganze Veranstaltung führte.

 

Abgeschlossen wurde das Dialogforum mit einem offiziellen Dankeschön an unseren Moderator Michael Kerbler sowie einer Laudatio für Ernst Löschner anlässlich seines 80. Geburtstages. Stimmig und gehaltvoll war auch die musikalische Umrahmung des Dialogforums durch Maren Rahmann mit ihren Liedern „Facetten des Widerstandes“.

(c) Resi Lucetti
(c) Resi Lucetti
(c) Georg Gangoly

Besonderer Dank gebührt auch unserem Koordinator des wissenschaftlichen Beirats Kay-Michael Dankl für die beeindruckende Simultanübersetzung der gesamten Veranstaltung sowie Jakob Thuswaldner für die Übersetzung eines Romanausschnitts  für die Lesung von Julya Rabinowich für unsere internationalen Gäste.

 

Sonntag 2.7 Alpine Peace Crossing / Überquerung des Krimmler Tauerns

(c) Georg Gangoly

In den frühen Morgenstunden wurden etwa 250 Teilnehmer*innen mit Taxis zum Krimmler Tauernhaus transportiert. Nach Grußworten vom Wirt des Tauernhauses Friedl Geisler, der Stellvertretenden Missionschefin des Staates Israel  Maya Karmely Sommer sowie Ernst Löschner startete der Zug in Richtung auf den Spuren der Flucht von 1947. Am ersten Halt am Hain der Flucht wurde der Blick ins Heute gerichtet: Jutta und Joachim Klammer thematisierten die strukturellen und institutionalisierten Diskriminierungen von Geflüchteten in Österreich anhand des Falles einer von ihnen betreuten Familie aus Kolumbien. Elizaveta Oliinyk kritisierte die vielfältigen wirtschaftlichen und politischen Verflechtungen Österreichs mit Putins Russland und forderte auch die kulturellen Folgen des russischen Angriffskrieges stärker zu thematisieren. Moderiert wurde dieser Beitrag von Hildegard Schreckeis-Nägele, die den Verein Hiketides vorstellte, der Psychotherapie in der Erstsprache für Geflüchtete in Salzburg anbietet.

(c) Georg Gangoly

Entlang des wunderschönen Krimmler Achentals wanderten wir weiter bis zur Windbachalm, wo unsere Teammitglieder Caro Huber und Bettina Reiter die Geschehnisse der Flucht von 1947 nacherzählten. Der letzte Input geschah auf dem höchsten Punkt unseres Weges, auf dem Tauernpass. Dort wurden uns spannende Einblicke in die Arbeit des Südtiroler Vereins Zebra gegeben, die eine Straßenzeitung herausgeben und vielfältige Sozialarbeit leisten. Mit ca. 185 Menschen, die bei der APC Friedens-/Gedenkwanderung den ganzen Weg bis nach Kasern („Schritt für Schritt“ auf den Spuren der jüdischen Frauen, Männer und Kinder des Jahres 1947) gegangen sind, wurde ein neuer Rekord aufgestellt. Besonders wertvoll war dabei die Begleitung durch die Bergrettung Krimml (Peter Nothdurfter und Franz Gensbichler) und durch den Arzt Christian Gruber. Wir danken recht herzlich!

(c) Georg Gangoly

Entlang der historischen Fluchtroute  wandernd gelangen wir schließlich nach Kasern, wo uns bereits Getränke und eine kleine Stärkung erwarteten. Für den herzlichen Empfang und die Verköstigung möchten wir uns bei den Bürgermeistern Helmut Klammer (Gemeinde Ahrntal) und Robert Steger (Gemeinde Prettau) herzlich bedanken.

Vielen Dank auch für den musikalischen Empfang unserer APC-Teilnehmer*innen in Kasern an Elfriede Hallama und Karl Kogler!

Größter Dank gilt dem Team des Tourismusverbands Krimml, allen voran Andrea Mair, ohne deren maßgeblicher Hilfe die Organisation unserer Veranstaltungen nicht möglich wäre.

(c) Georg Gangoly

Nach diesen sehr erfolgreichen Veranstaltungen, die hoffentlich für alle Teilnehmer*innen interessant und voll schöner Begegnungen waren, werden wir uns einige Wochen Pause gönnen. Danach werden wir uns wieder an die Planungen für die nächste Alpendistel und Gedenkwanderung machen, anlässlich des Jubiläums der Februarkämpfe diesmal zum Thema “Austrofaschismus”.

Anmeldestart für das Alpine Peace Crossing 2024 wird im Februar 2024 sein, das Datum wird im kommenden Herbst bekanntgegeben.