Presseaussendung 20.4.2021

Der schwierige Umgang mit Erinnerungen

Der Verein für aktive Gedenk- und Erinnerungskultur APC (Alpine Peace Crossing) lässt mit einer neuen Zeitschrift die Nachfahren von jüdischen Flüchtlingen von Krimml zu Wort kommen

1947 flüchteten tausende Juden und Jüdinnen über den Krimmler Tauern nach Italien und weiter in das heutige Israel. Grund war der andauernde Antisemitismus und die Verfolgung in Osteuropa. Diese Fluchterfahrungen waren nicht nur für viele Überlebenden prägend, sondern auch für deren Kinder und Enkelkinder. Manche Familien konnten offen über die Flucht über die Krimmler Tauern sprechen, in anderen herrschte jahrzehntelanges Schweigen.

Diesen herausfordernden Umgang mit Erinnerungen thematisiert der Salzburger Verein für aktive Gedenk- und Erinnerungskultur APC (Alpine Peace Crossing) in der neuen Ausgabe seiner Zeitschrift “Alpendistel”. “Die Flucht über den Krimmler Tauern verbindet bis heute Menschen aus Israel, Australien, Österreich und den USA. Auch für die Nachfahren ist der Umgang mit diesen persönlichen Erinnerungen nicht einfach”, sagt Robert Obermair, Zeithistoriker an der Universität Salzburg und Vorsitzender von APC.

Stimmen der Nachfahren

Auf fast 100 Seiten kommen neben Experten und Expertinnen auch die Kinder von NS-Überlebenden zu Wort. Sie berichten unter anderem von der Flucht ihrer Eltern im Jahr 1947 und welche Rolle die Erinnerungen an diese Ereignisse im Familiengedächtnis spielen. “Besonders eindrücklich ist die Geschichte von Bernard Dov Protter, der als junger Mann eine führende Rolle bei der Organisation der Flucht über den Krimmler Tauern eingenommen hat. Er hat fast sein ganzes Leben zu dieser Zeit geschwiegen. Erst kurz vor seinem Tod hat er seinen Söhnen davon erzählt.” führt Bettina Reiter vom APC-Team aus, die Kontakte zu Nachkommen der Krimmler Flucht in der ganzen Welt aufgebaut hat.

Der Umgang mit der Vergangenheit gestaltet sich nicht nur in den Familien von Opfern des Nationalsozialismus schwierig. Daher thematisiert die neue Ausgabe der “Alpendistel” auch den Umgang mit der Erinnerung an Familienmitglieder, die im Nationalsozialismus zu Tätern wurden.

Zeitschrift online frei zugänglich

Die Gedenkinitiative Alpine Peace Crossing wurde 2007 ins Leben gerufen. Eine jährliche Gedenkwanderung über den Krimmler Tauern Ende Juni erinnert an den jüdischen Exodus von 1947. Heuer findet die Wanderung unter Einhaltung der Corona-Bestimmungen am Wochenende des 25./26. Juni statt. Die Anmeldung ist online möglich. Die Zeitschrift „Alpendistel“ erscheint jährlich und kann kostenfrei abonniert werden (Versand- und Druckkosten 5 Euro) und ist online frei abrufbar unter www.alpinepeacecrossing.org.