Nachbericht zum Alpine Peace Crossing 2026

Nachbericht zum Alpine Peace Crossing 2026

Beim 20. Alpine Peace Crossing in Krimml (Salzburg) ging es im WM-Jahr 2026 passenderweise um den Schwerpunkt „Sport“. Das Wochenende war von einer hohen Anzahl an Teilnehmenden, interessanten Diskussionen mit Historikern und kreativen Beiträgen beim Dialogforum geprägt.

Samstag, 4. Juli 2026

Schon vor Beginn des Dialogforums führten Mitglieder des APC-Teams interessierte Besucher*innen auf Deutsch und Englisch durch die Wanderausstellung „Grenzen überwinden – Jüdische Flucht im Salzburger Hochgebirge 1947“, die in der Krimmler Volksschule aufgebaut war.

Beim Dialogforum gaben uns die Historiker Martin Krist und Andreas Praher schließlich einen Einblick in das Thema „Sport als Spielfeld der NS-Diktatur“, das dieses Jahr im Zentrum des Wochenendes stand. Martin Krist referierte über Fußball in der NS-Zeit, während Andreas Praher über das nationalsozialistische Erbe im Skisport sprach. Dabei ging es sowohl um die populistische Vereinnahmung von Sport im Sinne der NS-Propaganda als auch um sportliche Aktivitäten im Ghetto Theresienstadt und Mauthausen, die von den Nationalsozialisten geduldet wurden.

Interessant war dabei auch die Einbindung der Nachkriegsgeschichte Österreichs: In der Zweiten Republik bestimmte der Skisport maßgeblich die Identitätsbildung Österreichs, denn Sport wurde als apolitisch wahrgenommen. Außerdem entstanden viele Mythen rund um Vorbilder aus der Sportwelt, die sich der nationalsozialistischen Herrschaft widersetzt hätten – Mythen, die von den Vortragenden dekonstruiert wurden und in der aktuellen Ausgabe der „Alpendistel“ (auch online) nachzulesen sind.

Begleitet wurden wir an diesem Tag von „Zelinzkis kleines Wanderorchester“, das mit einer großen Bandbreite an musikalischen Ausdrucksweisen und antifaschistischen Dialekttexten ein künstlerisches Statement setzte. Ein besonderes Highlight war außerdem der großartige Spoken-Word-Beitrag der Künstlerin Mieze Medusa (Doris Mitterbacher), der sich mit österreichischer Gedenkkultur auseinandersetzte.

Sonntag, 5. Juli 2026

Erst ein einziges Mal gab es mehr Teilnehmer*innen beim Alpine Peace Crossing als heuer – 270 Personen nahmen am 5. Juli an der Gedenkwanderung teil, 190 davon überquerten den Pass zwischen Österreich und Italien, während kleinere Gruppen der Kurz- und Mittelvarianten schon früher wieder Krimml erreichten. Trotz anderslautender Wettervorhersagen bekamen wir glücklicherweise nur einige Regentropfen ab.

Alle Teilnehmer*innen starteten beim Tauernhaus, wo wir traditionellerweise vom „Hausherrn“ Friedl Geiser begrüßt wurden, dessen Familie eng mit der Geschichte der Flüchtenden verbunden ist. Bei der ersten Station, dem Hain der Flucht, gab uns Evan Talit aus den USA einen Einblick in seine Familiengeschichte: Seine Großeltern, Moshe und Bella Talit, haben 1947 durch die Organisation Bricha die Flucht von tausenden Menschen über die Krimmler Tauern mitorganisiert. Erst über APC hat der Enkel von der Geschichte seiner Großeltern erfahren. Evan Talit hob dabei die Bedeutung des Alpine Peace Crossing als Möglichkeit der Vernetzung hervor.

Bei der zweiten Station, der Windbachalm, gab es einen geschichtlichen Überblick des APC-Teams über die Situation der Flüchtlinge von 1947, die über die Krimmler Tauern geflohen waren. Für den dritten Programmpunkt war Elsa Logar vom Peršmanhof in Kärnten bei uns, die über die Bedeutung der Kärntner Slowen*innen und über die Rolle der Partisan*innen sprach. Am Peršmanhof fand noch in den letzten Kriegstagen ein Massaker seitens der NS-Behörden an einer Familie statt, die Partisan*innen unterstützt hatte. Ein Polizeieinsatz in einem antifaschistischen Camp vor Ort löste 2025 gesellschaftliches und mediales Entsetzen aus und wird noch immer juristisch verhandelt. Dabei hob Elsa Logar auch hervor, dass antifaschistische Arbeit nie abgeschlossen ist, sondern eine stetige Auseinandersetzung mit dem Thema bedeutet.

Die Teilnehmer*innen der langen Variante erreichten schließlich den Pass und einige Stunden später Kasern/Casere. Wir möchten uns bei allen Teilnehmer*innen sowohl für das außerordentlich hohe Interesse am Alpine Peace Crossing als auch für die vielen spannenden Gespräche und Begegnungen bedanken, die unsere Gedenkwanderung jedes Jahr bereichern!

 

Unser besonderer Dank gilt:

  • Der Gemeinde Krimml für die langjährige und wertschätzende Unterstützung, allen voran Erich CzernyAndrea Mair und Silvia Nothdurfter.
  • Den Gemeinden Prettau und Ahrntal für ihre Gastfreundschaft und Kooperation, vertreten durch die Bürgermeister Robert Steger und Markus Gartner.
  • Petra Czerny und ihren zahlreichen Helfer*innen.
  • Dr. Christian Gruber, unserem „Bergdoktor“, sowie Diandra Danci und Martin Krenn.
  • Der Krimmler Bergrettung für die langjährige Unterstützung.
  • Dem Nationalpark Hohe Tauern für die Unterstützung und das Verständnis für unsere Anliegen.
  • Zelinzkis kleines Wanderorchester für die bewegende musikalische Begleitung.
  • Mieze Medusa für den wunderbaren Spoken-Wort-Beitrag.
  • Andreas Praher und Martin Krist für ihre interessanten Vorträge.
  • Und vor allem allen „Helping Hands“, den zahlreichen Freiwilligen, die mit ihrem unermüdlichen Einsatz vor, während und nach der Veranstaltung alles erst möglich gemacht haben. Euer Engagement ist das Herzstück des Alpine Peace Crossing!